Stickstoffdüngung zu Winterweizen – wie können wir Ertrag und Qualität optimieren?
Die N-Düngestrategie zu Weizen muss so bemessen werden, dass die Differenz zwischen N-Aufnahme sowie N-Nachlieferung aus dem Boden über die gesamte Vegetationsperiode abgedeckt wird. Um bestmöglich auf die witterungs- und fruchtfolgebedingten unterschiedlichen N-Aufnahmesituationen reagieren zu können, hat sich eine Aufteilung der Weizendüngung in zumindest 3 Gaben bewährt.
Die erste Gabe im Frühjahr nicht zu hoch bemessen
N-Steigerungsversuche (in Kooperation LAT Nitrogen – Francisco Josephinum) zeigen, dass mit einer Verringerung der 1. Gabe von 80 kg N/ha auf 40 kg N/ha auf einem Gesamt N-Niveau von 160 kg N/ha kein Ertragsverlust einhergeht, solange mit der 2. Gabe auf eine Gesamtmenge von 120 kg N/ha aufgedüngt wird. Diese Erfahrung bestätigen auch die Versuchsergebnisse der vorangegangenen Jahre.
Die Wahl der Andüngungshöhe hat wesentlichen Einfluss auf das spätere Qualitätsziel.
Grundsätzlich gilt für die Strategie 1. und 2. Düngegabe:
• Moderate Andüngung von 30-40 kg N/ha auf früh gesäten Beständen, N-liefernden Vorfrüchten, gute N-Mobilisierung im Boden, Einzelähren-Sortentypen
• Betonte Andüngung von 60-80 kg N/ha auf spät gesäten Beständen, schlechter N-Nachlieferung im Boden, Bestandesdichte-Sortentypen
• Summe aus 1. und 2. N-Gabe 100 kgN/ha (<8t Ertrag, Trockengebiet) bis 120 kg N/ha (>8t Ertrag, Feuchtgebiet)
• Bei zu geringer Andüngungshöhe kann immer noch bis EC29 nachgedüngt werden (1a und 1b-Gabe)
• Zeitpunkt 2. Düngergabe:
o Normal entwickelte Bestände: EC31
o Schwach entwickelte Bestände: EC29/30
o Dichte Bestände: EC 32
Die Spätdüngung sichert den Ertrag ab und steigert den Proteingehalt
Grundsätzlich gilt: der gedüngte Stickstoff geht immer zuerst in den Ertrag und dann ins Protein. Umso wichtiger ist es, die Spätdüngung nicht zu spät zu geben (bis spätestens EC 49 abschließen!) um das Ertragspotential auszuschöpfen.
Auf dem Gesamt N-Niveau von 120 kg N/ha konnte mit der Aufteilung auf 3 Gaben sowohl Ertrag als auch Proteingehalt deutlich verbessert werden im Vergleich zur 2-Gaben Strategie. Bei 160 N/ha Gesamtmenge wurde Ertrag eingbüßt, wenn 1. und 2. Gabe zusammen auf 80 N/ha gedüngt wurden (Variante 12). Die zusätzlichen 80 N/ha zur 3. Gabe erhöhten den Proteingehalt sehr deutlich. Bei 200 kg N/ha gesamt wurde der Höchstertrag erreicht, lediglich die Andüngung von 40 kg N/ha (Variante 14) kostete Ertrag. Qualitätsweizenniveau konnte 2024 im Versuch nur mit gesetzlich nicht mehr erlaubten N-Mengen erreicht werden.
Mit der standortangepassten N-Düngung die N-Effizienz verbessern
Meist variieren Erträge und Qualitäten von Weizen auf der Fläche aufgrund von Bodenunterschieden. Bei heterogenen Beständen wird mit einer teilflächenspezifischen Düngung die Stickstoffeffizienz erhöht. Die Andüngung variabel auszubringen hat das Ziel, Bestände zu homogenisieren indem in schlechter entwickelten Zonen stärker angedüngt wird. Ist eine schwächer entwickelte Zone auf Gründe zurückzuführen, die keine hohen Erträge erlauben (Sandboden, Schotter,…) dann ist eine solche Zone auszunehmen und mit einer mittleren N-Menge zu versorgen. Der pro Zone im Feld erwartete Ertrag kann aus dem von Satellitendaten errechneten Vegetationsindex (NDVI) im Fahnenblattstadium (EC 39) gut abgeschätzt werden. Somit ist es möglich, aus der Ertragserwartung die erwartete N-Aufnahme zu berechnen. Unter Berücksichtigung bisher gedüngter N-Mengen aus 1. und 2. Gabe lässt sich die notwendige N-Menge für die Spätdüngung ableiten.
TerraZo (www.terrazo.at) ist eine Webanwendung zur Erstellung von Applikationskarten für die standortangepasste N-Düngung im Getreide über die man mit wenigen Klicks die erforderliche N-Menge zur Spätdüngung aufgeteilt auf die Düngekarte erhält. Die Karte kann über das Traktor- oder Streuerterminal bzw. mit Hilfe des Smartphones (mobile App NutriZones®) auch ohne Terminal abgestreut werden.
Der digitale Düngeplaner NutriGuide® von LAT Nitrogen bietet neben der Düngeempfehlung für die Kulturen auch die dazugehörige Applikationskarte über TerraZo an. Weiters kann über die Farmmanagement Software FARMDOK, die eine vollautomatisierte Datendokumentation des Betriebes ermöglicht, ebenso die Düngekarte aus TerraZo erstellt und gleich im richtigen Format für die jeweiligen Terminals heruntergeladen bzw. direkt an MyJohnDeere geschickt werden.
Die Pflanze lebt nicht nur vom Stickstoff
Um eine hohe Stickstoffeffizienz zu erzielen sind neben der Bodenstruktur weitere Grundanforderungen zu beachten. Dies beginnt mit einer standortangepassten Aussaat. Ziel ist, dass zu Vegetationsbeginn die Anzahl der gut ausgebildeten Triebe der späteren Zielährenstärke entspricht. Spätsaaten
(Novembersaaten) brauchen Witterungsglück um das volle Standortpotenzial auszunützen.
Vor allem auf schlecht mit P und K versorgten Standorten ist auf eine ausreichende Grundnährstoffdüngung zu achten. Kalium verbessert den Wasserhaushalt und verzögert die Abreife, wodurch das Ertragspotenzial steigt.
Dieser Beitrag wurde von Dr. Franz Heinzlmaier, LAT Nitrogen GmbH, zur Verfügung gestellt.